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Ebbergkirche
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Kreuzkirche
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Paul-Schneider-Haus
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Christuskirche
Ihmert
Kirche Ihmert
Ispei
Ispei

Der Tauferinnerungsgottesdienst am 25.02.2024 wurde aufgrund der Verzögerungen der Bauarbeiten in der Ebbergkirche in die Christuskirche verlegt! 

 

Ökumenisches Friedensgebet im Friedenspark

Die evangelische Kirchengemeinde Hemer und die katholische St. Vitus-Gemeinde laden weiterhin mittwochs um 18.00 Uhr zum 15-minütigen Friedensgebet an der Friedensstele ein.

Alle Beter*innen werden gebeten, eine brennende Kerze im Gefäß als Hoffnungszeichen mitzubringen.

 
 
Gedenkveranstaltung am Gedenkstein für die Synagoge Iserlohn – 09.11.2023

 

Liebe Menschen!

Hier am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge Iserlohn will ich an die beiden Verse aus Psalm 74 erinnern, die der christliche Widerstandskämpfer und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer in der Pogromnacht, in der auch die Iserlohner Synagoge vor 85 Jahren  in Brand gesetzt und zerstört wurde, in seiner Bibel unterstrichen hat:  

„Sie verbrennen alle Häuser Gottes im Lande!“ und „Kein Prophet ist mehr da und keiner ist bei uns!” (2 x)

Bonhoeffers Widerstand beginnt innerkirchlich! Als einer von ganz wenigen erhebt er seine Stimme für die Juden! Gleich nach der Machtergreifung der Nazis hält er im April 1933 vor der Berliner Pfarrerschaft einen Vortrag, „Die Kirche und die Judenfrage“, zum Ende hin vor fast leeren Bänken. Die meisten Pfarrer haben den Vortragssaal verlassen!

1934 schreibt er aus London an einen Freund aus der studentischen Jugendbewegung:

„’Tu deinen Mund auf für die Stummen’ Spr. 31, 8 – wer weiß denn das heute noch in der Kirche, dass dies die mindeste Forderung der Bibel in solchen Zeiten ist.“

„’Tu deinen Mund auf für die Stummen“ wird sein biblischen Leitwort, das er oft zitiert. Er zitierte es auch vor seinen Vikaren im Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Finkenwalde/ Stettin.  Einer seiner Vikare notiert in seiner Mitschrift: „Hier wird wahrscheinlich die Entscheidung fallen, ob wir noch Kirche des gegenwärtigen Christus sind. Judenfrage.“

Als 1935 die Nürnberger Rassegesetze erlassen wurden, die Kirche den Arierparagraphen übernahm, sagte er den Vikaren, die gerne liturgische Andachten hielten: „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen.“

Bonhoeffer protestiert gegen seine Kirche, in der  Pfarrer jüdischer Abstammung ihr Amt niederlegen müssen –  und gegen die Verfolgung der Juden!

Nach der Reichspogromnacht 1938, in der sie deren „Gotteshäuser” verbrennen,  ist es für ihn ganz offenkundig: Die Kirche versagt kläglich gegenüber dem Nazi-Regime.

Von unseren evangelischen Kirchen und Gemeinden hier in Iserlohn weiß ich verbrieft, dass  Dietrich Bonhoeffer als Vertreter des radikalen Flügels der Bekennenden Kirche nur in die Fürbittenliste der Christuskirchengemeinde auf dem Roden aufgenommen war, dass also nur dort, auf dem Roden  – besonders während seiner Nazi-Haft –  an jedem Sonntag auch für ihn, Dietrich Bonhoeffer,  gebetet wurde!

Ansonsten: Die Kirche versagt kläglich! Da ist keiner, der seinen Mund auftut für die Stummen; keiner der prophetisch redet!  

Wenn wir heute der Reichspogromnacht und ihrer Opfer hier in Iserlohn gedenken, dann erinnern wir auch das Versagen der Christlichen Kirche!! Wir/ ich tue das mit Reue!

Unsere Reue ist es an den Namen der Opfer  zu arbeiten, indem wir ihre Gesichter wieder kenntlich machen und ihre Geschichte erzählen (Darum sind die „Stolpersteine“ so wichtig!), erzählen auch die Geschichte der zerstörten Iserlohner Synagoge!

Im Namen meiner evangelischen Kirche sage ich Dank, dass wir bei dieser Gedenkveranstaltung reden dürfen!

Die Kirche soll der Ort des guten Gedächtnisses werden!

Nur das Ansprechen der schrecklichen Wahrheit und Eingeständnis der Schuld nimmt dem Bösen die bindende, die spaltende Macht!

Und es hilft uns Leitfragen für unsere Zukunft zu finden, die durch die jüngsten Ereignisse zu drängenden Gegenwartsfragen geworden sind: 

Die Zukunft ist jetzt!

Wo entdecken wir uns? Gehören wir zu denen, die Gott zum Weinen bringen?

Als was sind wir da, wenn heute Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden verachtet werden? Als Mittäter? Als Zuschauer? Als Wegläufer? Als Wegseher?

Als Verschweiger? Als Beschöniger oder Relativierer – mit ständigen „Ja, aber …!“?

Als was ist unser Land da? Und unsere Kirchen? Sind wir Volk Gottes?

Gedenken heißt: Erschrecken vor den Möglichkeiten, schuldig zu werden damals wie heute, aus Gedankenlosigkeit, aus Egoismus, aus Angst.

Das Schlagwort von der „Gnade der späten Geburt“ meint nicht willkommene Schuldlosigkeit und nicht willkommene Einladung zum Vergessen!

Nicht Helmut Kohl, Günter Gaus hat es als erster gebraucht – und er hat es so verstanden: Die „späte Geburt“ kein billiger Freibrief zur Verantwortungslosigkeit,  „Gnade“ – wir später Geborenen lediglich „gnädiglich“ davor bewahrt, durch Hetze und Propaganda verblendet, an jüdischen Gotteshäusern  zu zündeln, „gnädiglich“ bewahrt vor der Mithilfe bei der behördlich angeordneten sogenannten „Entjudung der Geschäftswelt“ hier in der Stadt,  „gnädiglich bewahrt“ vor  dem Dienst des Abtransports der Iserlohner Juden nach Dortmund und von dort weiter in die Vernichtungslager, gnädiglich bewahrt vor dem Dienst an der Rampe in Ausschwitz!

Bei dem Wort „Gnade“ geht es um die Einsicht in unser aller Nähe zur Schuld – und um unser Erschrecken darüber! 

Es ist meine tiefe Erfahrung in meinem Elternhaus, dass eine Erinnerung, die das beherzigt, die Generationen zusammen – und nicht auseinanderführt – und gemeinsame Zukunft eröffnet!

„Antisemitismus hat seine Wurzeln nicht bei den anderen! Er blüht nicht nur in kleinen extremen Gruppen. Er kommt aus unserer christlichen Geschichte, er keimt in unserer Mitte. Antesemiten sind auch unter unseren Kirchenmitgliedern.“, hat die Präses unserer westfälischen Landeskirche Annette Kuschuss als EKD-Ratsvorsitzende am 22. Oktober vor dem Brandenburger Tor in Berlin gesagt – bei der Kundgebung „Aufstehen gegen Terror, Hass und Antisemitismus – in Solidarität und Mitgefühl mit Israel!“

Und weiter: „Das ist weder schicksalhaft noch gottgegeben. Wir haben es nicht ernst genug genommen. Es lässt sich verändern. Wir werden weiter dagegen arbeiten. Unbedingt.“

Zu dieser Arbeit, das sage wieder ich, gehört es, dem in Religionen und Konfessionen so vielfach vorhandenen stolzen Begriff der besonderen Erwählung prophetisch zu widerstreiten, zu widerstehen. Wie die menschliche Geschichte zeigt, geht das Bild der Erwählung immer nur mit der Verwerfung anderer zusammen. Erwählung heißt Ausschluss des anderen.

Ja, man kann in der christlichen Theologie, das haben wir bereits gelernt, diesen Begriff „Erwählung“ ganz anders interpretieren, aufgeklärt und differenziert sophistisch!

Das Bild aber ist viel zu stark. Es gebiert bei uns Menschen fast automatisch den Gedanken der Nichterwählung des anderen oder sogar der Verwerfung der anderen, das Bild der besonderen, anderen überlegenen „Heiligkeit“!

Ich schäme mich, hier aus Kriegspredigten deutscher Pfarrer zu zitieren, in denen genau dieses Bild gewirkt hat: Gott hat das deutsche Volk und seinen Führer auserwählt, um sein Werk auf Erden voranzutreiben, darum ist unser Krieg ein heiliger Krieg!  

Ich möchte verzweifeln, wenn ich sehe, höre, lese, wie dieses Bild der besonderen Erwähltheit jetzt wieder in der Ideologie  des „Heiligen Russ“, des sogenannten „ruskij mir“ lebendig ist,  mit der die russisch orthodoxe Kirche und ihr unsäglicher Anführer den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine religiös verbrämen. 

Ich bin dankbar für die mutige prophetische Erarbeitung einer „Theologischen Erklärung zum „ruskij mir“, zum „heiligen russ“ (im Internet zu lesen), die schon viele orthodoxe Christen, auch Priester und Theologen unterzeichnet haben:

„Wir bekräftigen, dass die Aufteilung der Menschheit in Gruppen auf der Grundlage von Rasse, Religion, Sprache, ethnischer Zugehörigkeit … ein Kennzeichen dieser unvollkommenen und sündigen Welt ist und im völligen Gegensatz zum Evangelium steht, in dem alle eins und gleich in Christus sind.“

Nun könnten wir sagen, das mit der Überzeugung von der eigenen Überlegenheit und darum dem größeren Existenzrecht, das hat’s ja immer schon gegeben und wird’s immer geben! Und mit Blick auf unsere deutsche Vergangenheit: Diesen Erwählungsgedanken gab’s nicht nur bei den Deutschen, doch genauso bei den Franzosen und Engländern. Wir kennen dieses Spiel der Entschuldung!

Aber das hält uns nur ab von unserer Arbeit – an der Selbsteinsicht und Einsicht:  

Religionen und Konfessionen fällt es schwer, die eigene Endlichkeit anzuerkennen; d.h. eine unter vielen zu sein; geliebt von Gott und mit dem Recht auf die eigene Existenz – wie alle anderen.

Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und Begrenztheit und der eigenen Nähe zur Schuld aber ist die Voraussetzung des Friedens und aller Humanität, aller Menschlichkeit. 

Es genügt zu wissen, dass wir alle von Gott gemeint sind. Das ist Trost und Erwählung genug.

Jede Gedenkveranstaltung, zu der wir uns versammeln, ist immer auch Teil unserer Arbeit, ja unseres Kampfes dafür, dass in unserm Volk nie wieder eine menschenverachtende, gottlose Ideologie die Überhand gewinnt, die Menschen zum Hass und zur Ausgrenzung aufhetzt und ihnen einen Stolz und ein Überlegenheitsgefühl einzureden versucht, das darauf angewiesen ist, andere schlecht zu machen; da wird die Kraft, die in jedem Menschen ist, zu einer teuflischen Kraft des Verderbens!

Und diese teuflische Kraft wird zur besonders großen Gefahr, wenn sie mitten in der Religion zu wirken versucht!

 Die große teuflische Gefahr innerhalb der Religion ist immer daran zu erkennen, wenn da säuberlich zu trennen versucht wird, es ein großes Interesse gibt, Menschen und Sachen zu unterscheiden: Laien von Klerikern, Männer von Frauen, richtige und „falsche“ dogmatische Sätze, Morallehren und Lebensformen, heilige von unheiligen Orten, Räumen und ja, Nationen.

Solchen menschlichen Trennungs- und Säuberungsinteressen in der Religion ist immer zu misstrauen. Ihre Väter sind zumeist die Angst vor Bedeutungslosigkeit oder Machtinteressen; Machtinteressen, – die sich so gerne paaren mit durch Hass und Verblendung provozierter Gewalt und das Tor zur Hölle öffnen:

„Wer geplant und mordlustig Häuser überfällt und die Menschen, die darin leben, schändet, schlachtet, verschleppt, wer junge Menschen, die singen und tanzen, foltert, vergewaltigt, massakriert, der ist kein Gotteskrieger, kein Widerstandskämpfer, kein Märtyrer. Er ist nur eins: ein Massenmörder. Er hat keine religiöse oder politische Rechtfertigung verdient, sondern Verurteilung und Strafe.

Es war ein antisemitisches Pogrom. Da hat sich ein wütender Wille ausgetobt: der schreckliche Wille, jüdisches Leben zu vernichten. Die Täter der Hamas sind keine Volksbefreier, sie sind Geiselnehmer. Auch die palästinensische Bevölkerung von Gaza wird von ihnen als Geisel gefangen gehalten.“, hat die Präses weiter gesagt. –

Ich komme zum Schluss:

Das Bewusstsein der eigenen Endlichkeit und Begrenztheit und der eigenen Nähe zur Schuld  ist die Voraussetzung des Friedens und aller Humanität, aller Menschlichkeit!

Es genügt zu wissen, dass wir alle von Gott gemeint sind. Das ist Trost und Erwählung genug!

Und doch, es gibt sie, die, die zuerst gemeint sind, die Lieblingskinder Gottes, die vor anderen Erwählten!

Jesus nennt sie in der Bergpredigt:

Die Armen, die Hungernden, die Weinenden, die Ausgestoßenen, die Barmherzigen

 – und die Friedensstifter!!

 Burckhardt Hölscher, Pfr. i.R.

 

 

 

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